Nick hat geschrieben:
Was issaber wenn der Herr Schwarzafrikaner noch nie in Afrika war? Wenn er zum Beispiel aus den USA kommt? Aus dem Süden von Indinana zum Beipiel? Isserdann ein Schwarzindianer?
Afroamerikaner
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Einleitung; Verstädterung; Kampf gegen die Rassentrennung; Neues Selbstbewusstsein; Afroamerikanische Kunst; Parlamentarische Repräsentanz
1 Einleitung
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Afroamerikaner, Bezeichnung für die aus Afrika stammenden dunkelhäutigen Einwohner der Vereinigten Staaten und Kanadas, manchmal auch für die des gesamten amerikanischen Kontinents. Dabei handelt es sich um eine Eigenbezeichnung, mit der die Blackpower-Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre auf die afrikanischen Wurzeln der „Schwarzen” in Amerika hinweisen wollte.
Der Großteil der afroamerikanischen Bevölkerung Nordamerikas lebt mit mehr als 30 Millionen Einwohnern in den Vereinigten Staaten, was einen Anteil von etwa 13 Prozent an der Gesamtbevölkerung ergibt. In Kanada liegt ihr Anteil bei weniger als einem Prozent, was in Zahlen rund 170 000 Einwohnern entspricht. Sie sind fast ausnahmslos Nachkommen der Afrikaner, die zwischen 1501, als Spanien die Sklaverei in seinen Kolonien einführte, und 1808, als die Vereinigten Staaten den Sklavenhandel verboten, unfreiwillig in die Neue Welt kamen. Bis in die heutige Zeit ist die Geschichte der Afroamerikaner durch den immer wieder aufflammenden Kampf um Bürgerrechte, soziale Gleichheit und politische Selbstbestimmung gekennzeichnet.
2 Verstädterung
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Nach der Reconstruction der Südstaaten gegen Ende des 19. Jahrhunderts lösten die sich verschlechternden Lebensbedingungen für Afroamerikaner in diesen Staaten mehrere Abwanderungswellen Richtung Norden und Westen aus. Die Mehrheit dieser Migranten ließ sich an der Ostküste nieder. 1910 lebten noch 91 Prozent der Afroamerikaner im Süden, 1979 waren es lediglich 53 Prozent. Angezogen von den wirtschaftlichen Möglichkeiten lebten 1983 bereits drei Viertel aller Afroamerikaner in Städten, mehr als 80 Prozent von diesen in innerstädtischen Ghettos. Die neu ankommenden Afroamerikaner sahen sich Diskriminierungen und der Feindseligkeit weißer Arbeitnehmer ausgesetzt. Sie waren meist aus den Gewerkschaften der American Federation of Labour ausgeschlossen und sahen sich zunehmend der Konkurrenz europäischer Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt gegenüber. Dennoch boten die anwachsenden afroamerikanischen Gemeinden ein breiteres Angebot an sozialen Einrichtungen und Bildungsmöglichkeiten, als dies im Süden der Fall gewesen war. In den Städten wuchsen bereits Anfang des 20. Jahrhunderts kritische afroamerikanische Akademiker, wie W. E. B. Du Bois, heran. Verschiedene afroamerikanische Protestbewegungen wie das All-Black African-American Council und das Niagara Movement oder die auch liberalen Weißen offenstehende National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) entstanden.
3 Kampf gegen die Rassentrennung
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Ein erster Erfolg der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde 1954 erzielt, als der Oberste Gerichtshof ein Verbot der Rassentrennung an öffentlichen Schulen aussprach. 1955 kam es in Montgomery (Alabama) zu Unruhen. Die Afroamerikanerin Rosa Parks hatte sich geweigert, ihren Platz in einem Stadtbus für einen Weißen frei zu machen und war verhaftet worden. Unter der Führung des Baptistenpfarrers Martin Luther King organisierten die afroamerikanischen Bewohner der Stadt einen Busboykott, der über ein Jahr anhielt, bevor das Bundesgericht Alabamas Gesetz der Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln für verfassungswidrig erklärte. 1960 gründeten junge Aktivisten das Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC), welches militanter als andere Bürgerrechtsgruppen auftrat.
4 Neues Selbstbewusstsein
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1966 erklärte sich das SNCC zu einer Blackpower-Bewegung. Voraussetzung für die Erreichung politischer Ziele sei, dass Schwarze ein positives Bild von sich selbst hätten. Zeitgleich radikalisierten und militarisierten sich die Black Muslims in den Städten im Norden. Einer der Wortführer des afroamerikanischen Kulturnationalismus der Black Muslims war Malcolm X, der sich jedoch später von den rassistischen, afrozentrischen Ideen dieser Gruppe abwandte. Nach seiner Ermordung 1965, vermutlich durch Black-Muslim-Aktivisten, wurden seine Ideen zunehmend populärer. Sein Aufruf zur bewaffneten Selbstverteidigung war einer der Auslöser für die afroamerikanischen Aufstände in Los Angeles 1965. In den folgenden drei Jahren kam es in fast allen Städten der Vereinigten Staaten zu ähnlichen Auseinandersetzungen. 1966 entstand die militante sozialrevolutionäre Black Panther Party, der sich viele unzufriedene afroamerikanische Jugendliche in den Ghettos der Großstädte anschlossen. 1968 fiel der populäre Bürgerrechtler Martin Luther King einem Mordanschlag zum Opfer. Schwarze Studenten forderten die Aufnahme von Black Studies, d. h. Studien über Geschichte und Kultur der Afroamerikaner, in die Lehrpläne der Universitäten.
Das neue Selbstbewusstsein zeigte sich besonders im Sport. Der Schwergewichtsboxer Muhammad Ali (ehemals Cassius Clay) wurde zur Symbolfigur des neuen „schwarzen” Selbstbewusstseins. Er verweigerte sich konsequent den Rollen, die den Afroamerikanern von der dominanten euroamerikanischen Gesellschaft zugewiesen wurden. Der „Größte”, wie er sich nannte, stieg als erster Afroamerikaner zum Medienstar auf und wurde für die euroamerikanische Bevölkerungsmehrheit zum meistgehassten Mann der sechziger Jahre. Gleichzeitig erreichte er in der afroamerikanischen Bevölkerung eine ungeheuere Popularität. 1966, bevor sich eine nennenswerte Anti-Vietnam-Bewegung in den USA gebildet hatte, verweigerte er den Kriegsdienst in Vietnam – mit der lapidaren Begründung, er habe nie Streit mit dem Vietcong gehabt. Daraufhin sprach man ihm den Weltmeistertitel ab.
Zwischen 1964 und 1968 wurden bei Ghettoaufständen 220 Menschen, fast ausschließlich Afroamerikaner, getötet und etwa 8 000 verletzt. Zehntausende Afroamerikaner wurden verhaftet und teilweise zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Polizei ging brutal gegen die Ghettobewohner vor, ohne dass ein einziger Beamter in diesem Zeitraum wegen Übergriffen auf die afroamerikanische Bevölkerung verurteilt worden wäre. Diese Polizeimaßnahmen führten schließlich zusammen mit der Kriminalisierung der Führer radikaler Bürgerrechtsbewegungen, wie Angela Davis, zum Ende des organisierten Widerstands gegen die weiße Vorherrschaft.
A bissl was zum Nachdenken!!!